MiCA CASP Juli 2026: Die Frist nach Land — Wo stehen wir heute?
Noch neunzehn Tage. Der 30. Juni 2026 ist das Datum, das die meisten europäischen Krypto-Nutzer als "die MiCA-Deadline" kennen. Doch die Realität ist komplizierter — und dringlicher — als die gängige Erzählung vermuten lässt. Für zwölf der achtundzwanzig betroffenen Länder ist diese Frist bereits seit Monaten Geschichte. Deutsche, österreichische und andere Nutzer operieren längst unter dem vollen MiCA-Regime. Wissen sie das?
Stand: 12. Juni 2026. Daten: ESMA Art. 143(3) MiCA, offizielles CASP-Register, CASPTracker.eu.
Was ist die MiCA-Übergangsfrist für CASPs?
Die EU-Verordnung 2023/1114 über Märkte für Kryptowerte — bekannt als MiCA — trat am 30. Dezember 2024 vollständig in Kraft. Ab diesem Datum muss jeder, der Kryptodienste im Europäischen Wirtschaftsraum anbieten möchte, eine Zulassung als Crypto Asset Service Provider (CASP) beantragen — die neue Regulierungskategorie, die den bisherigen VASP-Begriff (Virtual Asset Service Provider) endgültig ablöst.
Der europäische Gesetzgeber war sich einer praktischen Realität bewusst: Hunderte von Krypto-Exchanges und Brokern waren bereits in Europa tätig, viele davon mit nationalen Registrierungen unter früheren AML-Regimen. Ihr sofortiges Tätigkeitsverbot ab dem 30. Dezember 2024 wäre weder rechtlich vertretbar noch operativ durchführbar gewesen. So entstand der Übergangsmechanismus nach Artikel 143(3) MiCA.
Die Regel ist einfach in der Struktur, aber weitreichend in den Auswirkungen: Jeder Mitgliedstaat kann seinen bereits registrierten VASPs eine Übergangsfrist gewähren — von null bis maximal 18 Monate — während der sie auch ohne vollständige CASP-Zulassung weiteroperieren dürfen. Die Frist läuft ab dem 30. Dezember 2024.
Konkret für Deutschland: Ein Exchange mit einer BaFin-VASP-Registrierung, der bis zum 30. Dezember 2025 — dem letzten Eingabetermin für Anträge in Deutschland — einen CASP-Antrag gestellt hat, kann bis zum 30. Juni 2026 weiteroperieren und darüber hinaus, bis zur endgültigen Entscheidung der BaFin. Ein Exchange mit niederländischer AFM-Registrierung hatte diese Garantie nicht: Die Übergangsfrist der Niederlande lief bereits am 30. Juni 2025 ab. Diese Asymmetrie erklärt, warum der deutsche Markt mit 55 zugelassenen CASPs heute das reichste Register Europas stellt.
Diese Asymmetrie schafft ein regulatorisches Flickwerk ohne Beispiel im europäischen Finanzsektor: Derselbe Exchange kann in Frankreich legal operieren, aber nicht in den Niederlanden; in Deutschland konform sein, aber nicht in Finnland. Alles hängt davon ab, wann die jeweilige nationale Aufsichtsbehörde (NCA) das Übergangsfenster geschlossen hat.
Die entscheidende Frage ist deshalb nicht "Wann läuft MiCA ab?", sondern: "Wann ist die Frist in meinem Land abgelaufen?"
Die vollständige Tabelle: Jedes EU-Land und seine Frist
Im Folgenden die vollständige Übersicht der Übergangsfristen aller 28 EU/EWR-Länder, basierend auf der offiziellen ESMA-Liste nach Art. 143(3) MiCA, Stand 12. Juni 2026.
Länder mit bereits ABGELAUFENER Übergangsfrist
Diese zwölf Länder befinden sich bereits im vollen MiCA-Regime. Exchanges, die dort ohne CASP-Zulassung operieren, tun dies seit Monaten illegal.
| Land | Übergangsdauer | Abgelaufen am | Zuständige NCA |
|---|---|---|---|
| 🇫🇮 Finnland | 6 Monate | 30. Jun. 2025 | Finanssivalvonta |
| 🇭🇺 Ungarn | 6 Monate | 30. Jun. 2025 | MNB |
| 🇱🇻 Lettland | 6 Monate | 30. Jun. 2025 | FKTK |
| 🇳🇱 Niederlande | 6 Monate | 30. Jun. 2025 | AFM |
| 🇵🇱 Polen | 6 Monate | 30. Jun. 2025 | KNF |
| 🇸🇮 Slowenien | 6 Monate | 30. Jun. 2025 | ATVP |
| 🇸🇪 Schweden | 9 Monate | 30. Sep. 2025 | Finansinspektionen |
| 🇦🇹 Österreich | 12 Monate | 30. Dez. 2025 | FMA |
| 🇩🇪 Deutschland | 12 Monate | 30. Dez. 2025 | BaFin |
| 🇮🇪 Irland | 12 Monate | 30. Dez. 2025 | Central Bank of Ireland |
| 🇱🇹 Litauen | 12 Monate | 30. Dez. 2025 | LB (Lietuvos bankas) |
| 🇸🇰 Slowakei | 12 Monate | 30. Dez. 2025 | NBS |
Länder mit NOCH OFFENER Übergangsfrist (Ablauf: 30. Juni 2026)
Sechzehn Länder haben die maximale Übergangsfrist von 18 Monaten gewählt. Für sie endet der Countdown am 30. Juni 2026. Innerhalb dieser Gruppe sind die Situationen jedoch sehr unterschiedlich — manche haben zusätzliche Antragsbedingungen eingeführt, deren Fristen längst verstrichen sind.
| Land | Fristende | Zuständige NCA | Anmerkungen |
|---|---|---|---|
| 🇧🇪 Belgien | 30. Jun. 2026 | FSMA | Pflichtantrag bis 8. Okt. 2025 |
| 🇧🇬 Bulgarien | 30. Jun. 2026 | FSC | Pflichtantrag bis 8. Okt. 2025 |
| 🇭🇷 Kroatien | 30. Jun. 2026 | HANFA | 0 zugelassene CASPs |
| 🇨🇾 Zypern | 30. Jun. 2026 | CySEC | MiCA-Hub (historisch Forex) |
| 🇨🇿 Tschechien | 30. Jun. 2026 | CNB | Antrag bis 31. Jul. 2025 |
| 🇩🇰 Dänemark | 30. Jun. 2026 | Finanstilsynet | Antrag bis 30. Dez. 2024 |
| 🇪🇪 Estland | 30. Jun. 2026 | Finantsinspektsioon | 0 zugelassene CASPs |
| 🇫🇷 Frankreich | 30. Jun. 2026 | AMF | 19 zugelassene CASPs |
| 🇬🇷 Griechenland | 30. Jun. 2026 | HCMC | 0 CASPs — Binance-Antrag anhängig |
| 🇮🇸 Island | 30. Jun. 2026 | FME | EWR — 0 CASPs |
| 🇮🇹 Italien | 30. Jun. 2026 | OAM / Consob | Antrag bis 30. Dez. 2025 — 0 CASPs |
| 🇱🇺 Luxemburg | 30. Jun. 2026 | CSSF | Haupt-Hub (Coinbase, Kraken, Bitstamp) |
| 🇲🇹 Malta | 30. Jun. 2026 | MFSA | Exchange-Hub (OKX, Crypto.com, Gemini, Gate.io) |
| 🇵🇹 Portugal | 30. Jun. 2026 | Banco de Portugal | 0 zugelassene CASPs |
| 🇷🇴 Rumänien | 30. Jun. 2026 | ASF | 0 zugelassene CASPs |
| 🇪🇸 Spanien | 30. Jun. 2026 | CNMV | CNMV-Register aktualisiert |
Primärquelle: ESMA, Liste der MiCA-Übergangsfristen Art. 143(3), verfügbar auf esma.europa.eu. Norwegen ist kein EU-Mitglied, gehört aber zum EWR — im MiCA-Perimeter enthalten, Fristende 30.6.2026.
Die Länder, die ihre Übergangsfrist bereits beendet haben
Wenn von der "MiCA-Deadline im Juli" die Rede ist, wird gerne vergessen: Für fast die Hälfte Europas ist dieses Datum längst Vergangenheit. Einige der wichtigsten Kryptomärkte des Kontinents befinden sich seit Monaten im vollen MiCA-Vollzug.
Niederlande: Der erste Markt, der sich angepasst hat
Die Niederlande wählten die kürzeste Übergangsfrist — sechs Monate — und taten es mit voller Absicht. Die AFM (Autoriteit Financiële Markten) hatte in den Vorjahren bereits ein streng geführtes VASP-Register aufgebaut, mit schärferen AML-Anforderungen, die zahlreiche internationale Betreiber bereits aus dem Markt gedrängt hatten. Ab dem 30. Juni 2025 ist jeder CASP, der in den Niederlanden ohne MiCA-Zulassung operiert, schlicht illegal.
Das Ergebnis spricht für sich: Zum 12. Juni 2026 zählen die Niederlande 26 zugelassene CASPs — das zweitgrößte Register Europas nach Deutschland. Paradoxerweise hat die Entscheidung, die Übergangsfrist früh zu schließen, die Antragszahlen beschleunigt: Die Exchanges wussten, dass der 30. Juni 2025 nicht verhandelbar war, und handelten entsprechend.
Deutschland: Der größte Markt, das reichste Register
Die BaFin entschied sich für 12 Monate Übergangszeit, mit Ablauf zum 30. Dezember 2025. Eine wohlüberlegte Wahl für einen komplexen Markt: Deutschland hatte die größte Anzahl registrierter VASPs in Europa, darunter viele kleinere lokale Betreiber, die Zeit benötigten, um die Kapital-, Governance- und Compliance-Anforderungen von MiCA zu erfüllen.
Das Ergebnis zum 12. Juni 2026 ist das stärkste in ganz Europa: 55 zugelassene CASPs in Deutschland — 29 Prozent aller 213 CASPs im ESMA-Register. Die BaFin hat historisch eines der effizientesten Zulassungsfenster Europas betrieben, mit klar definierten Verfahren und vertretbaren Bearbeitungszeiten. Kein Zufall: Große internationale Exchanges wie Bybit haben Österreich und die FMA als Ausgangsbasis gewählt, nicht zuletzt wegen der kulturellen und verfahrenstechnischen Nähe zum deutschen BaFin-Ansatz.
Für deutsche Nutzer bedeutet das: Wer seit dem 30. Dezember 2025 auf einem Exchange handelt, der kein BaFin-zugelassener CASP ist und auch keinen gültigen EU-Pass besitzt, bewegt sich in einer regulatorischen Grauzone — oder schlimmer. Die BaFin hat die Befugnis, entsprechende Plattformen zu sperren und Bußgelder zu verhängen. Unsere vollständige MiCA-Übersicht für Exchange-Nutzer listet alle aktuell zugelassenen Anbieter auf.
Österreich: Die FMA als attraktiver MiCA-Hub
Auch die FMA (Finanzmarktaufsicht) schloss ihre Übergangsfrist am 30. Dezember 2025. Österreich hat sich als strategischer Standort für internationale Exchanges positioniert: Bybit — einer der größten Derivate-Exchanges weltweit — hat seine CASP-Zulassung von der FMA erhalten und operiert von Wien aus mit EU-weitem Passporting. Für österreichische Nutzer gilt dasselbe wie für deutsche: Die Übergangsfrist ist vorbei, die Anforderungen sind in Kraft.
Irland: Die europäische Heimat der großen Player
Die irische Zentralbank (CBI) schloss ihre Übergangsfrist ebenfalls am 30. Dezember 2025. Irland ist seit Jahren der bevorzugte Ansitz vieler internationaler Fintech-Konzerne in Europa — und der Krypto-Sektor macht keine Ausnahme: Kraken wählte Dublin für seine CASP-Zulassung, die bereits am 25. Juni 2025 erteilt wurde, noch vor Ablauf der Übergangsfrist. Das irische CASP-Passport gilt für alle 27 EU-Staaten.
Das Paradox: Ungarn und Polen
Hier zeigt sich einer der beunruhigendsten Aspekte des europäischen Regulierungsmosaiks. Ungarn und Polen wählten nur sechs Monate Übergangsfrist — die Frist lief am 30. Juni 2025 ab, fast vor einem Jahr. Und doch haben beide Länder zum 12. Juni 2026 null zugelassene CASPs.
Was bedeutet das? Exchanges, die als VASPs in diesen Ländern registriert waren, hätten bis Juni 2025 die vollständige CASP-Zulassung erhalten müssen. Wenn sie das nicht geschafft haben — und die Datenlage deutet stark darauf hin — operieren sie entweder gar nicht mehr lokal oder bewegen sich in einer Grauzone, die die MNB (Ungarn) und die KNF (Polen) früher oder später adressieren müssen.
Achtung: Wenn Sie einen Exchange nutzen, der sich als in Polen oder Ungarn "registriert" bezeichnet, überprüfen Sie unbedingt, ob dieser nicht gegen MiCA verstößt. Die Übergangsfristen beider Länder sind seit fast einem Jahr abgelaufen. Der bloße Besitz einer alten VASP-Registrierung garantiert keinerlei Konformität mehr — weder für den Anbieter noch für seine Nutzer.
Länder mit Frist 30. Juni 2026: Wer noch wartet
Sechzehn Länder haben die maximale Übergangsfrist von 18 Monaten in Anspruch genommen. Auch innerhalb dieser Gruppe sind die Situationen jedoch sehr unterschiedlich — von gut vorbereiteten Hubs wie Luxemburg und Malta bis hin zu Märkten mit null erteilten Lizenzen.
Frankreich: Der drittgrößte Markt, die härtesten Regeln
Frankreich ist der drittgrößte CASP-Markt Europas nach Zahl zugelassener Anbieter — 19 Unternehmen, beaufsichtigt von der AMF (Autorité des marchés financiers). Die AMF hatte bereits mit dem PSAN-System (Prestataire de Services sur Actifs Numériques) seit 2020 ein robustes Vorläuferregime aufgebaut, das die Compliance-Kultur der französischen Marktteilnehmer geprägt hat.
Was Frankreich einzigartig macht, ist das schärfste Sanktionsregime in der gesamten EU: Als CASP ohne Zulassung in Frankreich zu operieren ist eine Straftat — bis zu zwei Jahre Freiheitsstrafe und bis zu 30.000 Euro Geldstrafe für natürliche Personen, zusätzlich zu den administrativen Sanktionen gegen das Unternehmen. Kein anderes EU-Land hat MiCA mit dieser strafrechtlichen Schärfe implementiert.
Malta: Der Exchange-Hub vor dem MiCA-Härtetest
Malta ist seit Jahren der bevorzugte Standort für Krypto-Exchanges auf der Suche nach einer europäischen Basis: OKX, Crypto.com, Gemini und Gate.io haben alle ihre CASP-Zulassung von der MFSA (Malta Financial Services Authority) erhalten. Der maltesische CASP-Pass gilt für alle 27 EU-Staaten — das ist der Hauptgrund, warum sich diese Betreiber in Valletta niedergelassen haben.
Mit dem Ablauf der Übergangsfrist am 30. Juni 2026 bewältigt die MFSA einen außerordentlichen Arbeitsaufwand. Für europäische Nutzer bedeutet das: Bitcoin oder Ether auf OKX oder Crypto.com zu kaufen ist dank der maltesischen Lizenz in der gesamten EU rechtlich einwandfrei.
Luxemburg: Das stille Zentrum der institutionellen Krypto-Finanzwelt
Wenn Malta das Zuhause der Consumer-Exchanges ist, ist Luxemburg das Zentrum der institutionellen Akteure. Die CSSF (Commission de Surveillance du Secteur Financier) hat Coinbase (CASP-Lizenz erteilt am 20. Juni 2025) und Bitstamp zugelassen — zwei Betreiber, die zusammen Milliarden Euro an institutionellen Transaktionen abwickeln. Das strenge, aber effiziente CSSF-Regime macht das Großherzogtum besonders für auf Profikundschaft ausgerichtete Plattformen attraktiv.
Griechenland: Null Lizenzen, ein Antrag, der ganz Europa den Atem anhält
Unter allen Ländern mit Frist 30. Juni 2026 verdient Griechenland ein eigenes Kapitel. Die HCMC (Hellenic Capital Market Commission) hat bis heute keinen einzigen CASP zugelassen. Null. Und dennoch ist Athen zur Bühne des meistbeachteten regulatorischen Dossiers Europas geworden: der Antrag von Binance für die CASP-Lizenz über die Holding "Binary Greece".
Der Antrag wurde im Januar 2026 gestellt. Die HCMC hat EY und KPMG als Berater für eine Fast-Track-Prüfung engagiert. AML Intelligence berichtete im Juni, Binance sei kurz vor der Genehmigung — doch zum 12. Juni 2026 erscheint der Name nicht im ESMA-Register. Noch neunzehn Tage bis zur Frist. Wenn Binance die CASP-Lizenz nicht bis zum 30. Juni erhält und keine formal vollständige Antragstellung nachweisen kann, muss es den Retail-Betrieb in der gesamten Europäischen Union einstellen. Der weltgrößte Exchange, ohne Zugang zu 450 Millionen europäischen Verbrauchern.
Die Ironie ist bitter: Das Land, das den wichtigsten CASP-Antrag Europas beherbergt und von dessen Entscheidung die Zukunft von Binance in der EU abhängt, hat bislang null Lizenzen erteilt. Die HCMC steht unter internationalem Druck, der in ihrer Geschichte beispiellos ist.
Italien: Die Antragsfrist ist vorbei, die Lizenzen fehlen
Italien hat eine zweigleisige Regulierungsarchitektur: die OAM (Organismo Agenti e Mediatori) führt seit 2022 das Register der Kryptowährungs-Dienstleister, während die Consob die MiCA-Aufsicht über öffentliche Kryptoangebote übernommen hat. Für die Übergangsphase mussten italienische VASPs bis zum 30. Dezember 2025 einen CASP-Antrag stellen.
Dieses Datum ist vergangen. Die endgültige Frist ist der 30. Juni 2026. Das Problem: Zum 12. Juni 2026 zählt Italien null zugelassene CASPs. Der Einzelhandel wird fast ausschließlich von Plattformen mit EU-Pass bedient — lizenziert in Luxemburg, Malta, Irland. Für die zweitgrößte Volkswirtschaft des Eurozonen-Kernlandes ein ernüchternder Befund. Für uns als Nachbar ein Warnsignal: Wer auf einer italienischen Plattform handelt, sollte deren EU-Passporting-Status genau prüfen.
Wer hat bereits eine CASP-Lizenz? Das ESMA-Register zum 12. Juni 2026
Zum 12. Juni 2026 zählt das offizielle ESMA-Register 213 als CASP zugelassene Unternehmen. Die Verteilung ist stark ungleichmäßig: Deutschland (55), Niederlande (26) und Frankreich (19) konzentrieren fast die Hälfte aller europäischen CASPs auf sich. Allein Deutschland stellt 29 Prozent des gesamten ESMA-Registers.
Methodologische Anmerkung: Das ESMA-Register im CSV-Format zählt formal 243 Unternehmen. Der Unterschied zu den 213 "reinen" CASPs erklärt sich dadurch, dass bereits beaufsichtigte Banken und andere zugelassene Finanzintermediäre das MiCA-Passporting für Kryptodienste per Meldung erhalten können, ohne eine neue CASP-Zulassung ex novo beantragen zu müssen. Die 213 sind die spezialisierten Crypto Asset Service Provider. Dieser Artikel verwendet "über 210 CASPs" mit Bezug auf beide Zahlen.
Eine Übersicht über den MiCA-Konformitätsstatus aller wichtigen Exchanges — inklusive aktueller BaFin-, CSSF- und MFSA-Daten — finden Sie in unserer Analyse: Exchange und MiCA: wer hat die CASP-Lizenz und wer nicht.
Die folgende Tabelle zeigt die wichtigsten Consumer-Exchanges mit bestätigter CASP-Lizenz per 12. Juni 2026:
| Exchange | Zulassende NCA | Land | EU-Passporting |
|---|---|---|---|
| OKX | MFSA | Malta | ✅ Alle 27 EU-Staaten |
| Coinbase | CSSF | Luxemburg | ✅ Alle 27 EU-Staaten |
| Kraken | CBI | Irland | ✅ Alle 27 EU-Staaten |
| Bybit | FMA | Österreich | ✅ Alle 27 EU-Staaten |
| Gate.io | MFSA | Malta | ✅ Alle 27 EU-Staaten |
| Gemini | MFSA | Malta | ✅ Alle 27 EU-Staaten |
| Bitstamp | CSSF | Luxemburg | ✅ Alle 27 EU-Staaten |
| Crypto.com | MFSA | Malta | ✅ Alle 27 EU-Staaten |
| Binance | — (HCMC in Prüfung) | Griechenland (ausstehend) | ❌ Noch nicht |
| Bitget | — (FMA, Antrag gestellt) | Österreich (ausstehend) | ❌ Noch nicht |
Daten: ESMA CASP-Register, casptracker.eu, Stand 12. Juni 2026. Für Binance: Antrag über "Binary Greece" bei der HCMC Griechenland eingereicht — per 12.6. nicht im ESMA-Register. Für Bitget: Antrag bei der FMA Österreich gestellt — per 12.6. nicht im ESMA-Register. Zu Stablecoins, insbesondere USDT: Tether hat keine EMT-Lizenz nach MiCA beantragt — Details in unserem Bericht über Tether, KPMG und den GENIUS Act.
Das bemerkenswerteste Datum: Insgesamt haben 10 EU-Staaten null CASP-Lizenzen erteilt. Darunter: Kroatien, Estland, Griechenland, Ungarn, Island, Italien, Portugal und Rumänien. Nach aktuellen Schätzungen haben rund 80 Prozent der VASPs aus der Zeit vor MiCA noch keine vollständige CASP-Zulassung erhalten.
Was passiert am 1. Juli 2026: Sanktionen und Konsequenzen
Der 1. Juli 2026 — der Tag nach der finalen Deadline — ist keine symbolische Marke. Es ist der Tag, ab dem die nationalen Aufsichtsbehörden gegen nicht konforme Betreiber vorgehen können und müssen.
Administrative Sanktionen nach MiCA
MiCA setzt EU-weit einheitliche Mindestgrenzen für administrative Sanktionen, die die Mitgliedstaaten in nationales Recht umgesetzt haben:
- Juristische Person (Unternehmen): bis zu 5.000.000 Euro oder bis zu 5 Prozent des weltweiten Jahresumsatzes, je nachdem welcher Wert höher ist
- Natürliche Person (Manager, verantwortliche Führungskraft): bis zu 700.000 Euro
- Nebensanktion: obligatorische Veröffentlichung der Sanktionsentscheidung in den öffentlichen Registern der NCAs — "Naming and Shaming"
Diese Beträge sind Untergrenzen: Die Mitgliedstaaten können schärfer vorgehen. Und einige werden es tun.
Frankreich: Strafrechtliche Sanktionen
Frankreich hat MiCA mit einem Sanktionsregime implementiert, das weit über die europäischen Mindestanforderungen hinausgeht. Kryptodienste in Frankreich ohne CASP-Zulassung anzubieten ist ein Straftatbestand:
- Bis zu 2 Jahre Freiheitsstrafe
- Bis zu 30.000 Euro Geldstrafe für natürliche Personen
- Zusätzlich zu den administrativen Sanktionen gegen das Unternehmen
Das härteste Regime in Europa. Ein Compliance-Verantwortlicher eines nicht zugelassenen Exchanges, der nach dem 1. Juli weiterhin französische Kunden bedient, riskiert konkret eine Freiheitsstrafe.
Betriebssperre und Nutzergelder
Neben den finanziellen Sanktionen sieht MiCA unmittelbare operative Konsequenzen für nicht konforme Exchanges vor:
- Sofortige Einstellung aller Dienste für EU-Kunden
- Sperre für neue Einzahlungen und Registrierungen aus der EU
- Pflicht zur Übertragung der Nutzergelder an zugelassene CASPs oder an Self-hosted Wallets der Kunden
- Aufnahme in öffentliche Blacklists der NCAs mit Pflichtveröffentlichung der Verstöße
Wichtig: MiCA sieht kein Einfrieren der Nutzergelder vor — der Exchange ist verpflichtet, den Kunden die Rückgabe ihrer Assets zu ermöglichen. Die erzwungene Migrationswelle kann jedoch chaotisch verlaufen und temporär höhere Netzwerkgebühren verursachen, wie bereits bei früheren Marktaustritts-Prozessen zu beobachten war.
Was passiert, wenn vor dem 30. Juni ein Antrag gestellt wurde?
Ein Betreiber, der vor dem 30. Juni 2026 einen formell vollständigen CASP-Antrag bei der zuständigen NCA eingereicht hat, kann auch nach Ablauf der Übergangsfrist weiteroperieren — in Erwartung der endgültigen Entscheidung. Genau dieser Mechanismus schützt Binance in Griechenland, sofern der HCMC-Antrag korrekt protokolliert wurde. Die Weiterführung des Betriebs in diesem "Wartestatus" unterliegt jedoch der laufenden Aufsicht der NCA, die Auflagen und Einschränkungen verhängen kann.
Was muss ein Nutzer in Deutschland, Österreich oder der Schweiz jetzt tun?
Wenn Sie diesen Artikel am 12. Juni 2026 lesen, haben Sie 18 Tage für die notwendigen Überprüfungen. Die wichtigsten Schritte im Überblick:
1. Überprüfen, ob Ihr Exchange eine CASP-Lizenz hat
Das offizielle Register ist auf der ESMA-Website verfügbar. Es ist das zuverlässigste Instrument — verlässlicher als jede Eigenmitteilung des Exchanges. Wenn Ihr Exchange dort nicht gelistet ist, hat er keine CASP-Lizenz. Sie können auch direkt bei den nationalen Behörden nachschlagen: BaFin (Deutschland), FMA (Österreich), CSSF (Luxemburg), MFSA (Malta), CBI (Irland).
Aktuelle Informationen zum MiCA-Konformitätsstatus von Coinbase, Kraken, OKX und anderen führenden Exchanges finden Sie in unseren Exchange-Bewertungen mit laufend aktualisiertem MiCA-Status.
2. Die Frist Ihres Landes prüfen
Nutzen Sie die Tabelle in diesem Artikel. Wenn Sie in Deutschland oder Österreich leben: Die Übergangsfrist ist in Ihrem Land seit dem 30. Dezember 2025 abgelaufen. Ihr Exchange sollte bereits eine CASP-Lizenz besitzen. Verfügt er nicht darüber, operiert er bereits jetzt in Verletzung von MiCA in Ihrem Land.
3. Was tun, wenn Ihr Exchange nicht zugelassen ist
Sie haben drei Optionen:
- Wechsel zu einem zugelassenen CASP — Coinbase, Kraken, OKX, Bybit, Bitstamp, Crypto.com, Gemini, Gate.io verfügen alle über CASP-Lizenz und EU-Passporting. Ein Wechsel ist in der Regel kostenlos (On-Chain-Transfer)
- Wechsel zu einem Self-hosted Wallet — Wer maximale Eigenverantwortung bevorzugt: Ein Hardware-Wallet (Ledger, Trezor) ermöglicht die Verwahrung von Kryptowährungen unabhängig von Exchanges
- Abwarten und beobachten — Wenn Ihr Exchange einen CASP-Antrag gestellt hat, könnte er die Zulassung in den kommenden Wochen erhalten. Für einen detaillierten Überblick über den Prozess lesen Sie unsere MiCA-Compliance-Leitfaden für Nutzer
Praktische Faustregel: Kein lizenzierter Exchange wird Sie bitten, "vorerst nichts zu tun" oder Ihnen vage Beruhigungen geben. Ein CASP mit gültiger Lizenz hat bereits klare, nachprüfbare Mitteilungen zu seiner MiCA-Konformität veröffentlicht — mit Verweis auf das ESMA-Register. Wenn Ihr Exchange dazu schweigt, ist das ein Warnsignal.
FAQ: Die häufigsten Fragen zu MiCA CASP und der Deadline
Ist mein Exchange bereits MiCA-konform?
Überprüfen Sie es im offiziellen ESMA-Register. Nur dort gelistete Unternehmen sind formal als CASP zugelassen. Verlassen Sie sich nicht ausschließlich auf die Eigenkommunikation des Exchanges — suchen Sie den Namen im ESMA-CSV oder auf den Seiten der zuständigen NCA (BaFin für Deutschland, FMA für Österreich). Ist der Name nicht zu finden, besteht noch keine CASP-Zulassung.
Was passiert mit meinen Geldern, wenn mein Exchange nicht zugelassen ist?
MiCA sieht kein Einfrieren der Nutzergelder vor: Der Exchange ist verpflichtet, die Rückgabe Ihrer Assets zu ermöglichen. In Übergangsphasen haben einzelne Exchanges jedoch temporäre Verzögerungen oder Einschränkungen bei Auszahlungen eingeführt. Die Empfehlung: Handeln Sie vor der Deadline, nicht danach. Der Druck auf Blockchain-Netzwerke in den Wochen nach dem Stichtag könnte die Transaktionsgebühren erhöhen.
Kann ich Binance nach dem 30. Juni 2026 noch nutzen?
Per 12. Juni 2026 erscheint Binance nicht im ESMA-Register. Der HCMC-Antrag (Griechenland, über "Binary Greece") ist in Prüfung. Sollte Binance die Lizenz vor dem 30. Juni erhalten — oder nachweisen können, dass ein formal vollständiger Antrag vorliegt — darf es in der EU in Erwartung der Entscheidung weiteroperieren. Erhält Binance die Lizenz nicht und liegt kein gültiger Antrag vor, muss es den Retail-Betrieb in der EU einstellen. Stand 12. Juni: ungewisse Lage, keine abschließende Antwort möglich.
Kann die Übergangsfrist über den 30. Juni 2026 hinaus verlängert werden?
Nein. Artikel 143(3) MiCA setzt das Maximum auf 18 Monate ab dem Anwendungsdatum der Verordnung (30. Dezember 2024), was den absoluten Endtermin auf den 30. Juni 2026 festlegt. Es gibt keinen Mechanismus für eine automatische Verlängerung. Die Europäische Kommission hätte einen Gesetzgebungsvorschlag zur Änderung dieses Datums einbringen müssen — was nicht geschehen ist. Der 30. Juni ist endgültig und rechtsverbindlich.
Ist USDT nach Juli 2026 in Europa noch verfügbar?
Dies ist eine vom CASP-Regime getrennte Frage, die Stablecoins betrifft. Tether (USDT) hat keine Lizenz als Emittent vermögenswertbezogener Token (Asset-Referenced Token, ART) bzw. E-Geld-Token (EMT) nach MiCA beantragt. Die Mehrheit der zugelassenen CASPs entfernt USDT schrittweise aus den EU-Handelspaaren und ersetzt es durch USDC (Circle, EMT-Lizenz in Luxemburg) oder EURC. Für eine detaillierte Analyse lesen Sie unseren Bericht zu Tether, KPMG-Prüfung und dem GENIUS Act.
Quellen
- ESMA — Liste der MiCA-Übergangsfristen Art. 143(3)
- ESMA — Offizielles CASP-Zulassungsregister
- Citium Tech — MiCA Compliance Deadline Tracker
- Coinbase Blog — Secures MiCA Licence (CSSF Luxemburg, 20. Juni 2025)
- EU-Verordnung 2023/1114 des Europäischen Parlaments und des Rates — Märkte für Kryptowerte (MiCA), Art. 143(3)
- CASPTracker.eu — Daten zum 12. Juni 2026