Abstrakte Illustration des MiCA D-Day in Europa: EU-Flagge und Blockchain-Netzwerk

Am 1. Juli 2026 lief die MiCA-Übergangsfrist ohne Verlängerung ab. 80% der europäischen Exchanges aus dem regulierten Markt. 10 Millionen Nutzer ohne Plattform. Binance eliminiert. USDT verschwunden. Aber die wahre Geschichte ist komplizierter — und interessanter — als das.

Der 1. Juli 2026 — Was sich in 24 Stunden geändert hat

Es gibt ein Datum, das der europäische Kryptomarkt nicht vergessen wird.

Am 1. Juli 2026, um 00:00:01 Uhr, lief die 18-monatige Übergangsfrist unter der Markets in Crypto-Assets Regulation (MiCA) für alle 30 Staaten des Europäischen Wirtschaftsraums ab. Keine Verlängerung. Keine Ausnahmen. Kein zusätzliches Zeitfenster.

Über Nacht verloren Hunderte von Exchanges das Recht zu operieren. Millionen europäischer Nutzer wachten mit gesperrten Konten, suspendierten Einzahlungen und deaktiviertem Handel auf. Die größte Exchange der Welt — Binance — hörte auf, Aufträge von EU-Kunden anzunehmen. Der weltweit meistgenutzte Stablecoin — Tethers USDT — verschwand von regulierten europäischen Plattformen.

Aber die offizielle Erzählung — „Europa hat sich endlich reguliert, die Märkte sind sicherer" — erzählt nur einen Teil der Geschichte.

Die Daten sagen etwas Komplizierteres. Interessanteres.

Dies ist der Bericht darüber, was wirklich an dem Tag passierte, an dem das europäische Krypto für immer verändert wurde.

Die Zahlen, die niemand genannt hat

Beginnen wir mit den Fakten. Den echten.

Vor MiCA operierten in Europa über 1.200 VASP-Entitäten — Virtual Asset Service Provider — die unter nationalen Registrierungsregimen in 27 Mitgliedstaaten arbeiteten. Ein chaotisches Flickwerk mit unterschiedlichen Standards von Land zu Land, bei dem sich eine Exchange in Malta registrieren und dann Kunden im ganzen Kontinent ohne homogene Aufsicht bedienen konnte.

Am 1. Juli 2026: Wie viele dieser Entitäten haben die von MiCA geforderte CASP-Lizenz (Crypto-Asset Service Provider) erhalten?

Es sind 280. Je nach Quelle und Aktualisierungsdatum des ESMA-Registers.

In Prozent: etwa 80% der Kryptofirmen aus der Vor-MiCA-Ära haben den regulierten europäischen Markt verlassen. Draußen, geschlossen oder in Zombies verwandelt — Strukturen, die auf dem Papier existieren, aber keine neuen Kunden mehr annehmen dürfen.

Das reale Bild ist noch extremer, wenn man über die formalen VASP-Registrierungen hinausschaut. Branchenschätzungen zufolge operierten in Europa über 3.000 Krypto-Entitäten — darunter registrierte Exchanges, Broker, Zahlungsplattformen und außeuropäische Anbieter mit erheblicher europäischer Nutzerbasis. Von diesen haben nur ~210 die MiCA-CASP-Lizenz erhalten: eine Durchlaufquote unter 7%. Nicht 80% ohne Lizenz — sondern 93%.

Und hier kommt das Paradox, das alles auf den Kopf stellt. Jenes 7% der lizenzierten Unternehmen kontrolliert bereits 95% des europäischen Krypto-Volumens. Institutionelle Spieler — Coinbase, Kraken, Bitvavo, OKX — hatten sich längst vor der Deadline positioniert. Was sich am 1. Juli geändert hat, ist nicht die Volumenverteilung — sie blieb nahezu identisch. Was sich geändert hat, ist der Schutz für Retail-Nutzer, die den Wechsel noch nicht vollzogen hatten. Der Markt wusste es bereits. Die Nutzer nicht.

Aber es gibt eine noch brutalere Zahl: Von diesen 280 autorisierten CASPs halten nur 14–15 die spezifische Lizenz für den Betrieb einer multilateralen Handelsplattform — was die Leute einfach „eine Exchange" nennen. Die anderen verwalten begrenztere Dienste: Verwahrung, Orderausführung, Fiat/Krypto-Konvertierung, aber nicht die vollständige Handelsinfrastruktur.

Das praktische Ergebnis: 14 Exchanges für den gesamten europäischen Kryptomarkt — einem Markt mit 60 Millionen Krypto-Asset-Inhabern. Und während die überlebenden Giganten einen noch nie so großen Marktanteil aufteilen, bezahlen die 10 Millionen EWR-Nutzer auf unlizenzierte Plattformen die Rechnung (CoinDesk-Schätzung, 29. Juni 2026).

Am 1. Juli selbst — nach monatelangen Warnungen, E-Mails und erzwungenem Geofencing — befanden sich 60% der EU-Nutzer noch auf nicht autorisierten Plattformen (Finance Magnates; Crypto.news). Zehn Millionen Menschen, die die Warnungen erhalten haben und sich trotzdem nicht bewegt haben. Die Frage, die sich jetzt alle stellen: Was passiert mit denen, die nicht migrieren?

Die geografische Verteilung der Lizenzen

Deutschland ist der klare Gewinner des Lizenzierungsrennens:

LandAutorisierte CASPsProfil
Deutschland (BaFin)53–56Fast ein Viertel aller EU-Lizenzen; bevorzugt von Banken und institutioneller Verwahrung
Niederlande (AFM)25–26Hub für Handelsplattformen und grenzüberschreitende Zahlungen
Frankreich (AMF)13–21Einstiegspunkt für systemische Stablecoin-Emittenten
Malta (MFSA)12–15Gateway für globale Exchanges, die EU-Passporting suchen
Irland (CBI)12Erfordert echte lokale Präsenz; Elite-Wahl für duales MiCA+EMI-Licensing
Litauen10Zugänglicher Einstieg für kleinere Broker
Österreich (FMA)9Basis für europäische Retail-Exchanges und asiatische Plattform-Töchter

86% der CASPs nutzen bereits Passporting-Rechte, um Kunden über ihren Heimatmarkt hinaus zu bedienen.

Die großen Abgänge: Binance und die Lizenz, die nie kam

Die Geschichte von Binance und MiCA ist die größte Geschichte dieser Transition — und sie ist nicht das, was sie zu sein scheint.

Am 24. Juni 2026 — 7 Tage vor der Deadline — zog Binance seinen CASP-Antrag bei der griechischen HCMC (Hellenic Capital Market Commission) zurück. Offizielle Begründung: „langsame Zeitpläne und keine formale Entscheidung des Regulierers."

Der wahre Grund: Der Antrag stand kurz vor der Ablehnung. Nicht wegen technischer bürokratischer Probleme, sondern wegen des „Fit and Proper"-Problems im Zusammenhang mit Changpeng Zhaos Verurteilung in den USA 2023 — dem 4,3-Milliarden-Dollar-Vergleich wegen Geldwäsche- und Sanktionsverstößen.

Aber es gibt eine politischere Lesart. Laut einigen journalistischen Recherchen soll die Europäische Zentralbank — die ihren eigenen digitalen Euro (CBDC) vorantreibt — Druck ausgeübt haben. Eine offshore-Zentrale Exchange mit Binances Liquidität und Dollar-Stablecoin-Tiefe stellt ein strategisches Hindernis für die monetäre Souveränität der Eurozone dar.

Dies ist keine Anschuldigung. Es ist eine im Gefüge von MiCA selbst dokumentierte strukturelle Spannung — und wir kommen auf Artikel 23 zurück.

Ab dem 1. Juli 2026 für Binance-EU-Nutzer: keine neuen Orders, keine Einzahlungen, keine Registrierungen, keine Staking-Dienste. Vorhandene Mittel bleiben für Abhebungen zugänglich. Binance hat erklärt, eine Lizenz in Frankreich beantragen zu wollen.

Doch der Weg über Frankreich ist steiniger, als Binance eingehäumt hat. Die JUNALCO — die Wirtschaftsstrafrechtabteilung der Pariser Staatsanwaltschaft — hat ein Strafverfahren gegen Binance wegen Geldwäsche und Steuerhinteziehung in den Jahren 2019 bis 2024 eröffnet. Gleichzeitig verlangt MiCA Art. 56 einen „Eignungs- und Zuverlässigkeitstest" für alle, die eine qualifizierte Beteiligung an einem CASP halten: CZ, dem etwa 90% von Binance gehören, hat im November 2023 in den USA einen Schuldspruch wegen AML-Verstößen akzeptiert. Eine Rückkehr nach Europa, wenn überhaupt, wird Jahre dauern — nicht Monate. (Quellen: CoinDesk 26.6.2026, VaaSBlock-Analyse, AMF-France-Stellungnahme.)

Gleichzeitig reichten am 30. Juni 2026 — einen Tag vor der Deadline — 1.700 britische Investoren eine Zivilklage beim Londoner High Court gegen Binance und seinen Gründer CZ ein und fordern mindestens £150 Millionen Schadensersatz. Die Behauptung: Binance habe gehäbelte Krypto-Derivate ohne die erforderliche Regulierungsgenehmigung an UK-Retail-Investoren verkauft.

Die Paradoxien: Wenn eine Lizenz nicht ausreicht (oder nicht hilft)

Paradox 1: Gemini hatte die Lizenz — und ging trotzdem

Im April 2026 zog sich Gemini — die von den Winklevoss-Zwillingen gegründete Exchange — vom europäischen Retail-Markt zurück. Nichts Ungewöhnliches, außer einem fundamentalen Detail: Gemini hatte bereits sowohl die MiCA- als auch die MiFID-II-Lizenz erhalten.

Doppelte Konformität. Null regulatorische Probleme. Und trotzdem: Auf Wiedersehen.

Der Grund? Wirtschaftlich und strategisch, nicht normativ. Gemini beurteilte, dass die Bedienung des europäischen Retail-Markts unter MiCA — mit den damit verbundenen Compliance-Kosten, Produktbeschränkungen (keine ewigen Futures für Retail), geringerer verfügbarer Hebelwirkung — im Vergleich zu seinen Kernmärkten wirtschaftlich nicht tragfähig war.

Eine Lizenz ist notwendig, um in Europa zu bleiben. Sie ist nicht ausreichend, um bleiben zu wollen.

Paradox 2: KuCoin hat die Lizenz — kann aber nicht operieren

Im November 2025 erhielt KuCoin die CASP-Lizenz in Österreich durch die FMA. Im Februar 2026 erließ dieselbe FMA eine Anordnung, die KuCoin die Gewinnung neuer Kunden auf dem europäischen Markt verbietet.

Grund: Strukturelle Mängel bei AML-Personal und Compliance-Team nach massivem Personalwechsel infolge der Verurteilung der Gründer in den USA.

Ergebnis am 1. Juli 2026: KuCoin hat eine formal aktive CASP-Lizenz. Es kann keinen einzigen neuen europäischen Kunden annehmen. Das perfekte Paradox: lizenziert, aber nicht operativ.

Das FMA-Österreich-Muster: Wien als Engpass. KuCoin ist nicht der einzige Exchange, der Österreich als EU-Eingangstor gewählt hat. Am 17. Juni 2026 gab Bitget offiziell bekannt, seinen CASP-Lizenzantrag bei der österreichischen FMA eingereicht zu haben — und reihte sich damit in die Warteschlange ein, mit suspendierten EU-Diensten bis zur Genehmigung. Der Stand am 1. Juli: KuCoin besitzt die österreichische Lizenz, darf aber per FMA-Anordnung keine neuen Kunden aufnehmen; Bitget hat den Antrag gestellt, bietet aber bis zur Genehmigung keine EU-Dienste an. Dieselbe NCA, dasselbe praktische Ergebnis für EU-Nutzer: null Zugang. Die österreichische FMA ist zum engsten Nadelhr der MiCA-Regulierung geworden — die Behörde mit dem größten Stapel ausstehender Krypto-Lizenzanträge und der aggressivsten Durchsetzungsbilanz in der EU.

Paradox 3: Polen — ein Land ohne Krypto-Regulierer

Der polnische Fall ist der gravierendste, weil er eine gesamte Nation von 38 Millionen Einwohnern betrifft.

Zur Konformität mit MiCA muss jeder Mitgliedstaat eine nationale zuständige Behörde (NCA) für den Kryptomarkt benennen. In Polen hätte dies die KNF (Komisja Nadzoru Finansowego) sein sollen. Dazu war ein nationales Gesetz erforderlich. Präsident Karol Nawrocki hat es dreimal mit Veto belegt: Dezember 2025, Februar 2026, Juni 2026.

Das Ergebnis: Polen hat die MiCA-Frist verpasst, ohne seine Behörde zu benennen. MiCAs materielle Pflichten gelten für polnische Betreiber — aber es gibt keinen Rechtsmechanismus, um in Polen eine CASP-Lizenz zu beantragen. Juristen nennen es lex imperfecta.

USDT ist weg. USDC hat gewonnen. Aber die echte Geschichte ist Artikel 23

Tether (USDT) hat nie eine EMT-Genehmigung unter MiCA beantragt. Der erklärte Grund: MiCAs Reservemodell — das 30–60% der Reserven als unbelastete Cash-Einlagen in EU-Kreditinstituten erfordert — würde USDT einem konzentrierten Kontrahentenrisiko aussetzen.

Das praktische Ergebnis: USDT wurde 2024–2025 systematisch von EU-regulierten Exchanges delistet. Coinbase EU (Dezember 2024), Crypto.com (Januar 2025), Binance EU (März 2025). Auf EU-regulierten Plattformen bleiben nur noch USDC und EURC als praktikable Stablecoin-Optionen — die dramatischste erzwungene Umstrukturierung des Stablecoin-Marktes in der Geschichte.

Circle (USDC) hat das Gegenteil getan: EMI-Lizenz in Frankreich (Juli 2024), dann CASP-Lizenz (April 2026). USDC wird zum Standard-Stablecoin des EU-regulierten Marktes.

Aber hier kommt der Teil, den die Mainstream-Presse nicht erklärt hat. MiCA Artikel 23 sieht vor, dass, wenn ein nicht-Euro-Stablecoin als primäres Zahlungsmittel in der EU genutzt wird und 1 Million Transaktionen täglich oder 200 Millionen Euro täglich überschreitet, der Emittent die Ausgabe einstellen und einen Sanierungsplan vorlegen muss.

Das ist kein Strafmechanismus. Es ist ein Schutz der monetären Souveränität der Eurozone. Genau wie DSGVO Daten vor amerikanischen Giganten geschützt hat, schützt MiCA den Euro vor der „Dollar-Blockchain-Isierung."

Und an diesem selben 1. Juli, gerade als USDC die „MiCA-Battle" in Europa gewann, brach die Circle-Aktie (NYSE: CRCL) um 16,38% ein — wegen des Starts von Open USD, einem konkurrierenden Stablecoin, der von einer Koalition aus 140 Partnern (Visa, Mastercard, Stripe, BlackRock, Coinbase) unterstützt wird. Der Markt hat sofort verstanden: USDCs Monopol steht schon unter Angriff.

Was sich im Alltag der Nutzer geändert hat

Wenn Sie auf Binance EU waren: ab 1. Juli keine neuen Einzahlungen, keine Kauf-/Verkaufsorders, keine Staking-Dienste. Das Konto ist im Abhebungsmodus. Es gibt keine erzwungene Frist für bestehende Mittel — aber der Handel ist vorbei.

Migration von Binance in 3 Schritten:

  1. Wählen Sie Ihre neue Exchange — prüfen Sie, ob sie in unserer aktualisierten CASP-Liste auf BitcoinMarket.net erscheint. Die direktesten Alternativen nach Volumen: Coinbase, OKX, Kraken, Bitvavo.
  2. KYC abschließen — alle MiCA-Exchanges benötigen eine verifizierte Identität. Mit der Travel Rule bei Null-Schwelle reisen Ihre Daten bereits mit jeder Transaktion — es gibt keinen Vorteil beim Warten.
  3. Mittel transferieren — Sie können von Binance direkt zu Ihrer neuen Exchange oder in Ihre eigene Wallet abheben. Prüfen Sie, ob die Ziel-Exchange einen Migrationsbonus anbietet: OKX, Coinbase, Kraken und Bybit EU haben aktive Kampagnen bis 31. Juli 2026.

Wenn Sie USDT verwendet haben: Der Stablecoin ist auf EU-lizenzierten Plattformen nicht mehr handelbar. Optionen: in USDC, EURC oder EUR konvertieren, oder in eine eigene Wallet abheben.

Enforcement — das strafrechtliche Risiko für nicht lizenzierte Betreiber: Im europäischen Kryptomarkt nach dem 1. Juli 2026 ohne CASP-Lizenz zu operieren ist nicht nur ein Verwaltungsverstoß. Die französische AMF hat ausdrücklich erklärt, dass Entitäten ohne Genehmigung, die weiterhin europäische Kunden bedienen, ihr Unternehmen einem Strafverfahren aussetzen. Keine Geldstrafe — ein Strafverfahren. Andere EWR-Regulierer haben ähnliche Sprache in ihren öffentlichen Kommunikationen übernommen. Für Nutzer: das direkte Risiko ist begrenzt, aber die Wahl nicht lizenzierter Plattformen bedeutet den Betrieb ohne Regulierungsaufsicht und ohne Schutz im Insolvenzfall.

Travel Rule — die Tatsache, die alles verändert: Seit dem 30. Dezember 2024 gilt EU-Verordnung 2023/1113 mit einer Null-Euro-Schwelle für alle Krypto-Überweisungen. Jede Krypto-Transaktion, selbst für 1 Euro, muss Absender- und Empfängerdaten im IVMS101-Format enthalten. Im Bankwesen liegt die Schwelle bei €1.000. Im europäischen Krypto liegt sie bei null.

Wo Sie noch handeln können: Coinbase (Luxemburg), Kraken (Irland), OKX (Malta), Bybit EU (Bybit EU GmbH — FMA-Österreich-Lizenz; Achtung: nicht Bybit Global, das für EWR-Nutzer geoblockt ist und keine CASP-Lizenz hat — Spot-only, keine ewigen Futures für Retail), Bitvavo (Niederlande), Bitpanda (Österreich/Deutschland), eToro (Zypern), Trade Republic (Deutschland), N26 (Deutschland), Bitstamp (Luxemburg). Prüfen Sie die Präsenz im offiziellen ESMA-Register oder nutzen Sie unsere aktualisierte Liste autorisierter CASP-Exchanges.

Migrationsangebote: Mehrere CASP-lizenzierte Exchanges werben aktiv um abgewanderte Nutzer: OKX bietet einen 8%-Willkommensbonus (gedeckelt auf €20.000 über 52 Wochen); Coinbase hat einen 5%-Migrationsbonus bis 13. Juli; Kraken hat eine €1-Million-Auslosung gestartet (1 Los pro eingeworbenem €1, offen bis 31. Juli); Bybit EU (Bybit EU GmbH, FMA-Österreich-Lizenz) hat die Kampagne „Move Your Funds, Get Rewarded" bis 31. Juli gestartet — Spot-only, Gebühren 0,10%/0,10% flat. Gate Europe führt ebenfalls eine aktive Neukundenkampagne. Prüfen Sie die Bedingungen auf der offiziellen Seite der jeweiligen Exchange, bevor Sie Mittel transferieren.

Wer wirklich vom Ende des Wilden Westens profitiert

Compliance-Pioniere: Coinbase baute seinen MiCA-Hub in Luxemburg lange vor der Deadline. OKX nutzte die letzten Monate für explizite Marketing-Kampagnen gegen Binances Compliance-Geschichte. Kraken hält gleichzeitig MiCA-, MiFID-II- und EMI-Lizenzen — ein Wettbewerbsvorteil, den wenige replizieren können.

Traditionelle Banken: Das ist die tiefste Neuerung des neuen Marktes. Banca Sella wurde die erste italienische Bank mit MiCA-Genehmigung. Intesa Sanpaolo baute im Q1 2026 eine Bitcoin-Position von über 200 Millionen Euro auf. Trade Republic und N26 — beide deutschen Ursprungs — halten bereits CASP-Lizenzen. Das Qivalis-Konsortium — 37 europäische Banken aus 15 Ländern — entwickelt einen MiCA-konformen Euro-Stablecoin für On-Chain-Settlement.

Ein Signal auch von unten: Am 30. Juni 2026 erteilte die Consob die CASP-Zulassung an Young Platform S.p.A. (Turin), den ersten von Italienern gegründeten Krypto-Retail-Exchange mit vollständiger MiCA-Autorisierung, der 8 von 10 MiCAR-Dienste abdeckt. Italien steigt damit auf 5 CASPs im ESMA-Register. (Quelle: Consob-Pressemitteilung, 30. Juni 2026.)

Die Grenze zwischen Krypto und Bank löst sich auf. MiCA ist auch der Kanal, durch den Banken mit der Legitimität, die ihnen bisher fehlte, in den Kryptomarkt eintreten.

Der Aufsichtsstreit: Im Hintergrund kämpft ESMA darum, die direkte Aufsicht über große Exchanges zu übernehmen. Malta, Luxemburg und Irland widersetzen sich. Der Ausgang wird entscheiden, ob MiCA ein echter Binnenmarkt wird oder ein nationales Flickwerk unter einem gemeinsamen Banner.

FAQ: 5 Fragen, die sich heute alle stellen

Sind meine Gelder auf Binance in Gefahr?

Nein, in dem Sinne, dass Binance keine Abhebungsfrist angekündigt hat. Bestehende Gelder bleiben zugänglich. Das Risiko ist operativ: Sie können nicht mehr handeln, einzahlen oder Staking nutzen.

Kann ich USDT noch in Europa verwenden?

Ja, aber mit wichtigen Einschränkungen. Sie können USDT nicht auf MiCA-lizenzierten Plattformen handeln. Sie können es in einer selbstverwalteten Wallet (Ledger, Trezor, MetaMask) halten oder auf unregulierten DEXes handeln.

Welche Exchanges kann ich jetzt nutzen?

Hauptsächliche CASP-lizenzierte Plattformen: Coinbase, Kraken, OKX, Bitvavo, Bitpanda, eToro, Bybit EU (Bybit EU GmbH — nicht Bybit Global, das im EWR geoblockt ist), Trade Republic, N26, Bitstamp. Überprüfen Sie die Präsenz im ESMA-Register oder nutzen Sie unsere gefilterte Liste autorisierter CASP-Exchanges.

Kann ich noch nicht-EU-Exchanges wie globales Binance nutzen?

Technisch ja — die EU kann den Zugang zu ausländischen Exchanges nicht blockieren. Aber Sie verzichten auf alle MiCA-Schutzmaßnahmen: Asset-Segregation, Beschwerdeverfahren, regulatorische Aufsicht.

Warum ist USDC am 1. Juli um 16% gefallen?

Nicht wegen MiCA, sondern wegen des Starts von Open USD — einem konkurrierenden Stablecoin, der von einer Koalition aus 140 Partnern einschließlich Visa, Mastercard, Stripe, BlackRock, Coinbase unterstützt wird. Die Ironie: Genau an dem Tag, an dem USDC MiCA in Europa „gewann", wurde sein Geschäftsmodell von der anderen Seite des Atlantiks angegriffen.

Fazit: Ist der europäische Kryptomarkt sicherer? Aber ist er noch frei?

Der 1. Juli 2026 ist ein historisches Datum. Europa hat getan, was keine andere Jurisdiktion der Welt getan hatte: ein vollständiges, kohärentes, verbindliches Regulierungsrahmen über alle 30 EWR-Märkte gleichzeitig aufzubauen.

Die Vorteile sind real. Asset-Segregation. Whitepaper-Anforderungen. Werbestandards. Beschwerdeverfahren. Wenn Ihre Exchange ausfällt, landen Ihre Assets nicht in der Insolvenzmasse wie bei FTX-Nutzern.

Aber auch die Kosten sind real. 80% der Plattformen sind draußen. 10 Millionen Nutzer suchen eine neue Heimat. Der Markt konsolidiert sich um 14 Exchanges. Die Krypto-Travel-Rule ist strenger als das Bankwesen: Null-Schwelle gegen €1.000-Schwelle. Artikel 23 baut eine unsichtbare monetäre Mauer, die den Euro schützt.

Die eigentliche Frage ist nicht „Sind wir sicherer?" — die Antwort ist wahrscheinlich ja.

Die Frage ist: Ist dieser sicherere Markt noch als der ursprüngliche Kryptoraum erkennbar, der auf der Idee erlaubnisloser Transaktionen, Pseudonymität, individueller Souveränität geboren wurde?

Um zu antworten, beobachten Sie, wohin der Markt geht. Banca Sella. Intesa Sanpaolo. Qivalis. N26. Trade Republic.

Die Zukunft des europäischen Krypto heißt Bank. Und die Banken hatten auf nichts anderes gewartet.

Quellen

  • ESMA-Register der CASPs: esma.europa.eu
  • ESMA-Stellungnahme 17. April 2026: PDF ESMA offiziell
  • AMF France / ESMA-Stellungnahme 23. Juni 2026: amf-france.org
  • CryptoTimes, 29. Juni 2026: cryptotimes.io
  • CryptoTimes, 1. Juli 2026 (UK-Klage Binance): cryptotimes.io
  • CryptoTimes, 1. Juli 2026 (Circle -16%): cryptotimes.io
  • Reuters, 30. Juni 2026: reuters.com
  • Bitcoin Foundation, 1. Juli 2026: bitcoinfoundation.org
  • Finance Magnates; Crypto.news — 60% EU-Nutzer auf nicht autorisierten Plattformen, 1. Juli 2026
  • CoinDesk, 29. Juni 2026 — 10-Millionen-Nutzer-Schätzung
  • CoinDesk, 23. Februar 2026 — KuCoin FMA-Verbot neue Kunden
  • Bitget, offizielle Mitteilung 17. Juni 2026 — CASP-Lizenzantrag bei der FMA Österreich gestellt; EU-Dienste bis zur Genehmigung ausgesetzt
  • EU-Verordnung 2023/1113 (Geldtransferverordnung)
  • MiCA Art. 23, Art. 111